Eine Videosprechstunde zwischen Arzt und Patient: In Zeiten des Social Distancing kommt diese Geschäftsidee gerade wie gerufen. Der Gründer von Zumedu, Seko Williams, erzählt von anfänglichen Schwierigkeiten und enormen Erleichterungen.

Mit Zumedu könnte das deutsche Gesundheitssystem eine digitale Revolution in der Patientenversorgung erleben. Wie ist die Idee entstanden und was waren eure ersten Herausforderungen?

Die Idee wurde ursprünglich für die USA konzipiert. Sie entstand aus dem Bedürfnis heraus, Menschen ohne Krankenversicherung eine Möglichkeit der ärztlichen Ersteinschätzung ihrer Beschwerden zu bieten, ohne dabei eine überhöhte Arztrechnung befürchten zu müssen. Im deutschen Gesundheitssystem sind für Patienten nicht die Kosten, sondern der Ärztemangel insbesondere in ländlichen Regionen das Problem. Insofern hat sich die Idee weiterentwickelt, mit dem Ziel jedem Arzt eine „On-demand“ Videosprechstundenlösung bereitzustellen, um die Patientenbetreuung zu ergänzen.

Problematisch war anfangs unter anderem die Gesetzgebung im Gesundheitswesen. Ferndiagnosen waren zu der Zeit verboten, eine Abrechnung war für Ärzte auch nicht möglich und sowohl Ärzte, als auch Patienten hatten falsche Vorstellungen davon, wie eine Videosprechstunde die Patientenbetreuung verbessern kann. Der Gedanke, Untersuchungen und Diagnosen am Laptop zu stellen, war vorherrschend. Dass die Videosprechstunde sich ideal als Ergänzung, etwa für Nachbesprechungen, einfache Rückfragen und für die Beseitigung von Infektionsrisiken für Arzt und Patient eignet, musste man den Teilnehmern oftmals erst bewusst machen.

 

Wer kann Zumedu nutzen und welche technische Ausstattung ist dafür nötig? Wäre die Videosprechstunde auch auf dem Land möglich, wo die Internetverbindungen nicht immer stabil sind?

Zumedu steht jedem volljährigen Patienten und jeder Arztpraxis frei zur Verfügung. Man benötigt dafür lediglich ein internetfähiges Gerät wie einen Laptop, Tablet, PC oder Handy. Die Videosprechstunde findet direkt im Browser statt. Die Internetverbindung sollte mindestens 4 Mbit Downloadgeschwindigkeit leisten. Die Videosprechstunde ist adaptiv und passt die Bild- und Tonqualität entsprechend der Verbindungsgeschwindigkeit an. Insofern ist die Videosprechstunde im Regelfall auch auf dem Land gut einsetzbar.

 

Gibt es schon Berechnungen darüber, wie sich die Videosprechstunde auf die Auslastung der Praxen auswirken würde?

Hierzu ist mir keine Berechnung bekannt. Die Anzahl der Patienten in einer Praxis vor Ort nimmt natürlich durch die Videosprechstunde ab. Sie kann mittelfristig dennoch nur den Teil der Arztbesuche ersetzen, die keine körperliche Untersuchung benötigen. Die Videosprechstunde als Alternative zum Hausbesuch spart Ärzten besonders viel Zeit, da die Fahrtzeit wegfällt und die dann wiederum für die Behandlung weiterer Patienten genutzt werden kann.

 

Wie können wir uns so eine Videosprechstunde vorstellen?

Im Regelfall erhalten die Patienten einen Terminvorschlag per E-Mail durch ihren Arzt. Die Videosprechstunde wird dann mit einem Klick auf einen Link direkt im Browser gestartet. Ab dann läuft die Videosprechstunde quasi wie ein normaler Arzttermin ab. Das heißt es darf nichts mitgeschnitten werden und es werden keine Audio- oder Video-Aufnahmen gespeichert. Es ist ein persönliches Gespräch zwischen Arzt und Patient, so wie es sein sollte. Ein paar Extras gibt es natürlich schon. Ein Arzt kann zum Beispiel seinen Bildschirm teilen oder die Teilnehmer senden sich Dateien zu. Demnächst werden wir noch die Option anbieten einen weiteren Arzt hinzuzuschalten, falls man beispielsweise einen Spezialisten hinzuziehen will.

 

Was sind Eure nächsten Schritte und wann erobert ihr die Praxen von Ärzten, Psychologen und Therapeuten?

Wir expandieren in den nächsten Wochen in weitere europäische Länder und stellen eine Lösung für die klinische Forschung bereit. Auch der Versand bzw. Erhalt von e-Rezepten wird demnächst für Privat- und Kassenpatienten angeboten. So kann nach einem Gespräch gleich ein Rezept ausgestellt und vom Patienten in seiner Apotheke vor Ort oder einer Online-Apotheke eingelöst werden.

Als einziger Anbieter mit einer kostenfreien Lösung für Ärzte und einem B2C-Modell sind wir für Praxen geeignet, die sich nicht sicher sind, wie oft sie eine Videosprechstunde anbieten wollen. Aktuell suchen wir daher einen weiteren Investor für unsere Series-A Runde, um unser Wachstum weiter zu beschleunigen.

 

Du willst mehr über Zumedu erfahren? www.zumedu.de

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