Auf der Plattform „Mentor Lane“ können Berufseinsteiger, langjährige Angestellte oder Gründer einen passenden Mentor finden. Der Gründer Colin Berr erzählt wie es funktioniert und warum Mentoring so wichtig ist, vor allem für Gründer.

Colin Berr ist gebürtiger Kalifornier mit deutschen Wurzeln. Als sein geplantes Praktikum bei der US-Botschaft in Berlin vor sechs Jahren kurzerhand geplatzt ist, hängt er Flugblätter auf – „Praktikant sucht Job bei Berliner Startup“ – und mischt sich unter Leute, er besucht Veranstaltungen. Und das funktionierte. Denn kurze Zeit später erhielt er einen Anruf und arbeitete gleich am nächsten Tag bei dem Startup Accelerator „Startupbootcamp“ hinter den Kulissen mit. Auf die Frage, was für die Startups bei dem Programm besonders wertvoll sei, antworteten sie ihm: die Mentoren. Begeistert von den Möglichkeiten in Deutschland und mit vielen eigenen Mentoring-Erfahrungen im Schlepptau, packte er seine Sachen in Kalifornien und buchte ein One-way-Ticket, um ein Mentoring-Startup zu gründen. Wohin er flog? Nach Frankfurt!

 

Colin, warum hast du „Mentor Lane“ gegründet und worum geht es da genau?

„Mentor Lane“ ist eine Mentoring-Plattform und vor allem eine Community. Ich habe das Startup gegründet damit jeder für sich den passenden Mentor finden kann. Ich habe in Berlin zwei Dinge festgestellt: Auf der einen Seite, was für eine positive Wirkung ein Mentor auf einen Gründer haben kann und gleichzeitig aber auch, wie schwer es ist, einen guten Mentor zu finden. Das war und ist immer noch die große Mission von Mentor Lane. Ich war anfangs Solo-Gründer, inzwischen sind wir im Team zu viert. Wir sagen gerne wir verbinden Träume mit Erfahrungen.

 

Und wie lernen sich Mentor und Mentee, also ein Mentoring-Suchender, bei euch kennen?

Als Mentee registriert man sich auf unserer Plattform und vereinbart ein erstes Kennenlernen mit uns. Wir nehmen uns die Zeit mit jedem Mentee persönlich zu sprechen, um herauszufinden wonach genau dieser sucht und in welcher Lebens- oder Gründungsphase er sich befindet. Das ist notwendig, denn es gibt keinen „Muster“-Mentee. Unsere Mentees sind zum Beispiel Angestellte, die sich beruflich wie privat weiterentwickeln oder eine bessere Führungskraft werden wollen. Oder eben Gründer mit allen Entwicklungsstufen, die erst einmal eine Idee haben oder bei denen die Gründung bereits ein paar Jahre her ist. Genauso handhaben wir es mit den Mentoren. Auf der Plattform erhalten die Mentees dann Zugang zu den Profilen der Mentoren und können ihre Favoriten anschreiben. Es ist ein bisschen wie das Elitepartner des Mentorings. Auch bieten wir unserer Community verschiedene Veranstaltungen wie z.B. „Höhle der Mentoren“, um sich weiter zu vernetzen.

 

Woran erkennst du, ob ein Mentor wirklich helfen oder sich womöglich nur selbst darstellen möchte?

Das finden wir ziemlich schnell heraus, denn Mentor Lane ist in erster Linie eine Plattform, auf der Mentoren ehrenamtlich arbeiten. Uns ist der Gedanke von „Pay it forward“ wichtig, also dass das Weitergeben an die nächste Generation im Vordergrund steht. Das kommunizieren wir im persönlichen Gespräch klar an unsere Mentoren. Und mit der Philosophie im Hinterkopf merkt man, ob derjenige nur Geld verdienen oder ein richtiger Mentor sein möchte. Gute Mentoren haben ein großes Herz. Die Bereitschaft ein ehrenamtlicher Mentor zu sein, ist meist schon ein wesentlicher Aspekt einen guten Mentor zu erkennen. Wir schätzen Mentoren sehr, wenn sie nicht nach einer Lehrbuch-Methodik an das Mentoring herangehen oder dem Mentee diktieren, was dieser in den nächsten Schritten zu tun hat. Vielmehr stellt ein Mentor die richtigen Fragen und teilt Geschichten aus dem eigenen Leben.

 

Was unterscheidet einen Mentor eigentlich von einem Coach?

Ich sehe da große Unterschiede. Natürlich haben beide das Ziel der persönlichen oder fachlichen Weiterentwicklung. Für mich ist ein Coach aber jemand, der damit Geld verdient und seinen Lebensunterhalt bestreitet. Ein Mentor gestaltet seinen Arbeitsinhalt meist mit etwas anderem, hat bereits große Erfolge in seinem Bereich erzielt und möchte andere dabei unterstützen, eigene Ziele zu erreichen. Ein Coach ist beispielsweise spezialisiert im Public Speaking, bietet dazu zeitlich begrenzte Seminare und Kurse für viele Teilnehmer gleichzeitig an. Ein Mentor hingegen bietet sein ganzes Leben von A bis Z als Erfahrungswerte und steht jedem Mentee individuell mit Rat und Tat zur Seite.

 

Ist es üblich, dass ein und derselbe Mentor alle Entwicklungsstufen eines Gründers über viele Jahre mitbegleitet?

Nicht unbedingt. Ich habe auch in meiner persönlichen unternehmerischen Laufbahn erlebt, dass man sich weiterentwickelt und gewisse Phasen abschließt. Mein erster Mentor hat mir bei meinen ersten Schritten enorm geholfen und mich nicht nur bei rein förmlichen Angelegenheiten wie z.B. bei der Unternehmensgründung oder der Finanzplanung unterstützt. Dafür bin ich ihm für immer dankbar und zähle ihn mittlerweile zu einem meiner besten Freunde. Aber irgendwann kam ich an einen Punkt, bei dem ich einen anderen Mentor brauchte. Einfach weil andere Themen auf der Agenda standen und immer wieder neue Punkte dazu kommen. Ein Mentorwechsel heißt nicht, dass man mit dem Mentor nicht zufrieden war. Ganz im Gegenteil, wir bieten unseren Mentees zudem ganz bewusst an, dass sie die Unterstützung von bis zu drei Mentoren gleichzeitig erhalten können und so alle Bereiche abdecken, in welchen sie Hilfe benötigen. Während meines Studiums gab ein Speaker bei seinem Vortrag einen guten Rat dazu: „Such dir am besten zwei Mentoren. Einen, der dir fünf Jahre voraus ist, und einen, der schon 20 Jahre weiter ist.“

 

Du hattest zunächst überlegt in Berlin zu gründen. Welche Argumente sprachen damals dafür, und welche dagegen?

Berlin war natürlich sehr anziehend, aber dort gab es auch schon viele Startups und sich abzuheben ist dann nicht einfach. Ich hatte in Frankfurt schon bei einem anderen Mentoring-Projekt mitgearbeitet und fand dort selbst durch Zufall meinen ersten großen Mentor. Für Menschen, die beruflichen Support und Mentoring wollten, gab es in Frankfurt noch kein organisiertes Angebot. Das wollte ich ändern.

 

Was möchtest du anderen Gründern mitgeben – abgesehen davon sich einen Mentoren zu suchen?

Ein Mentor hatte mir von Anfang an eine wichtige Sache klar gemacht: Als Gründer ist man sehr begeistert von seiner Idee und das ist auch richtig so. Man muss Durchhaltevermögen zeigen und von seinem Vorhaben überzeugt sein, aber gleichzeitig auch die Demut haben, andere Perspektiven und vielleicht auch unangenehmes Feedback anzunehmen. Dieses Gleichgewicht beizubehalten, ist eine der wichtigsten Eigenschaften bei der Gründung.

 

Du willst mehr erfahren? www.mentorlane.com

 

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