Anfang Juni war Chris Kaiser mit seiner Idee, für jeden Klick bei Reisebuchungen einen Baum pflanzen zu lassen, in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“. Vier von fünf Investoren haben sich für Chris‘ Gründung Click A Tree interessiert, mit zweien ist er in die weiteren Verhandlungen gegangen. Die Aufzeichnung zur Sendung fand bereits im Januar 2020 statt. Aufgrund der Corona-Pandemie, so die Investoren, ist der Deal im April 2020 geplatzt. Zu dem, was der Elefanten-Fan so macht, und welche Pläne es nun gibt, haben wir mit ihm Interview gesprochen.

Wie ist das für Euch, mit Click A Tree in einer so großen, bundesweiten TV-Show gewesen zu sein?

Es geht endlich richtig vorwärts. Wir haben viele Jahre darum gekämpft, überhaupt Aufmerksamkeit zu bekommen. Dann gibt es eine große Fernsehausstrahlung und plötzlich kommt die Aufmerksamkeit zu uns. Wir sind begeistert von der positiven Berichterstattung.

 

Also auch ohne Deal ein voller Erfolg für Euch?

Auf jeden Fall. Allein die anderthalb Stunden mit den Investoren Zeit zu verbringen – der Dreh dauert natürlich länger als die ausgestrahlte Sendezeit – sind sehr wertvoll. Das war für mich alles neu, ich hatte vorher noch kein einziges Investorengespräch. Es war spannend, das mitzuerleben.

 

Wie kamst Du zur Tourismus-Branche?

Ich bin sehr viel gereist. Das wurde mir quasi in die Wiege gelegt. Meine ersten sechs Lebensjahre habe ich im Ausland in Kamerun und Tansania verbracht, dank meiner Eltern. So richtig groß geworden bin ich in Deutschland in Radolfzell am Bodensee. Direkt nach dem Abitur 2006 bin ich nach Australien geflogen. Ich hatte das Bedürfnis, zu machen was ich will. Damals war das noch etwas Besonderes nach dem Abitur für längere Zeit weit zu verreisen. Aus geplanten sechs Monaten wurden zwei Jahre, weil es mir so gut gefallen hat. Verständlicherweise kam ich dort viel mit dem Thema Tourismus in Kontakt und habe dann auch Touristik studiert. Zuvor in Deutschland war das eigentlich nie eine Überlegung. Da kommt man eher mit Berufsbildern wie dem Lehrer in Berührung. Ich bin nach Beendigung des Studiums durch Südamerika gereist und nach Thailand, weil ich ein Jobangebot von einem Luxuszeltcamp erhalten habe. Auch hier ging es eigentlich um ein halbes Jahr, am Ende waren es fünf Jahre. Ein Teil meiner Arbeit war es, die Elefantentouren mit zu begleiten und für die deutschen Touristen zu übersetzen, bis ich dann für das Camp im Marketing gearbeitet habe.

 

Warum hast Du dann Click A Tree gegründet?

Ich habe mich jeden Tag mit Elefanten befasst und auch mit ihren Herausforderungen. Die größte ist der Verlust von Lebensraum. Da hatte ich den einfachen Gedanken „Lass doch hier mal Bäume pflanzen“. Vor Ort kamen sofort viele Unterstützer dazu, die es gut fanden, dass ich nicht nur davon geredet habe, sondern es auch gemacht habe. Die Tourismus-Branche, für die ich ja tätig war, ist mit den ganzen Flügen natürlich nicht die nachhaltigste. So konnten wir dann wenigstens etwas bewegen. Anfangs war es nur eine Unterseite auf meinem Reiseblog, dann wurde daraus eine Kooperation mit Booking.com. Für jede gebuchte Reise, die durch Click A Tree entstanden ist, haben wir eine Vermittlungsgebühr erhalten und davon Bäume pflanzen lassen. Das kam sehr gut an. Dann kam Expedia.de und Skyscanner dazu. Vor drei Jahren circa bin ich zurück nach Deutschland zur Familie und habe offiziell gegründet. Letztes Jahr wurde eine GmbH daraus, gemeinsam mit meinem Mentor.

 

Wie hast Du Deinen Mentor kennengelernt?

Das Team von Click A Tree.

Das Team von Click A Tree.

Ich habe an einem Mentoren-Programm in Berlin teilgenommen. Darüber habe ich Paul Blazek kennengelernt, der Unternehmer in Österreich ist. Er hat mir auch geholfen mich auf „Die Höhle der Löwen“ vorzubereiten,in Sachen Firmenbewertung zum Beispiel. Nach dem der Deal mit Carsten Maschmeyer und Judith Williams nicht zustande kam, ist er mit 7,5 Prozent in das Unternehmen eingestiegen. Er kennt das Projekt und war schon mit mir vor Ort bei den Aufforstungsstätten. Auch über das Mentoren-Programm vom KIZ in Offenbach, hier leben drei meiner Teammitglieder, habe ich Menschen kennengelernt, die mich beraten und punktuell helfen.

 

Wie wird aus der Vermittlungsgebühr eigentlich dann ein gepflanzter Baum?

Tatsächlich ist das Baumpflanz-Business sehr undurchsichtig. Als ich angefangen habe, bin ich auf Angebote gestoßen wie „Für zehn Cent wird ein Baum gepflanzt“. Bei solchen Firmen darfst du dir das Projekt vor Ort aber gar nicht selbst anschauen. Durch unsere Kontakte in Thailand haben wir uns mit Rangern unterhalten und gefragt, wie so ein Aufforstungsprojekt läuft und wie viel Geld man dafür braucht.

 

So einen Baum zu pflanzen ist sicherlich aufwändiger als man sich das als Laie vorstellt, oder?

Genau! Der Wald muss geplant werden, Samen gesät und eine Baumschule aufgebaut werden. Zusätzlich haben wir es uns zur Maxime gemacht, alle Beteiligten fair für ihre Arbeit zu entlohnen, und nicht auf Freiwilligenarbeit zu setzen. Denn nur, wenn alle Beteiligten auch finanziell von ihrem Engagement profitieren, wird das Projekt ganzheitlich nachhaltig und fair und somit langfristig tragbar. Nach Kalkulation all dieser Kosten kamen wir auf deutlich höhere Summen, und begannen deshalb, unsere eigenen Wiederaufforstungsprojekte aufzuziehen mit Leuten vor Ort. Die hatten Land zur Verfügung und wollten etwas Sinnvolles damit tun. Langfristig gesehen ist ein durch uns finanzierter Wald lukrativer als eine Tabakplantage, die durch die Pestizide nur wenige Jahre nutzbar ist.

 

Ein Modell für viele Branchen

 

Das Reisen war im vergangenen Jahr enorm eingeschränkt. Konntet ihr trotzdem Bäume pflanzen?

Ich kannte durch die vielen Jahre als Touristiker schon lokale Krisen. Wenn es in einem Jahr mal nicht nach Bali ging, dann halt nach Thailand. Für unser Geschäft machte das keinen Unterschied. Aber dass der globale Tourismus zum Erliegen kommt, hätte ich so niemals gedacht. Tatsächlich haben wir unser Konzept schon im September 2019 mit einem Restaurant getestet. Wenn bei dem Sushi-Laden die neu eingeführte Tree-Roll bestellt wird, pflanzen wir einen Baum. In diesem Fall bezahlt der Kunde etwas mehr als für andere Speisen auf der Karte. In der Corona-Pandemie kam das gut an, da die Restaurants diese Aktion für sich nutzen konnten und selbst nichts ausgeben mussten. Circa 150 Restaurants sind inzwischen dabei. Wir haben das auf weitere Industrien ausgeweitet und viele verschiedene Partner gewonnen.

 

Und was steht die nächste Zeit bei Click A Tree an?

Wir sind gerade dabei die Aufträge abzuarbeiten, die durch die hohe Aufmerksamkeit erfreulicherweise zustande kamen. Auch unser Team möchten wir bald erweitern, weiteres Kapital einsammeln und die Technologie der Website verbessern. Als Ziel für das nächste Jahr haben wir uns die Marke eine Million gepflanzte Bäume gesetzt, dafür müssen wir uns vor Ort noch besser aufstellen. Die Bepflanzung an sich funktioniert sehr, sehr gut. Aber das Reporting durch Drohnen wäre noch eine Option für uns, was zum Beispiel in Ghana rechtlich schwierig ist. Google Maps dafür zu nutzen, den Fortschritt des Projekts zu zeigen, ist ebenfalls in Planung.

 

Das Interview führte Gesine Wagner.

Du willst mehr erfahren? www.clickatree.com

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